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Gott - auch nur ein Scharlatan?

Kolumne von , , Kommentare: 0, Deutsch
Geändert am: 06-04-2013 16:02
Ihr Vater hält ein Foto in seiner Hand. Ein Foto, das seine Tochter zeigt. Ein fröhliches Lachen. Sie wollte abnehmen und sich fitter fühlen. Die Naturheilerin hatte die Lösung für alle ihre Probleme. Anderthalb Jahre nach ihrem ersten Treffen stirbt sie heimlich, still und leise auf der Toilette, ihr Körper voller Infektionen.

"Es gab so viel Blut, Jochen." Er sagt es scheinbar reglos, aber seine Hände verraten seine Nervosität und die traurige Wut, die durch seine Adern pulsiert. Als seine Tochter sich mit der Naturheilerin einließ, war sie eine gesunde Frau von 37 Jahren. Ein wenig labil vielleicht, aber seit kurzem hatte sie eine Beziehung und das Leben lachte ihr zu.

Er zeigt Körner. weiße Körner, die sich auf seiner Handfläche bewegen. "Diese Körner musste sie sich auf den Körper kleben. Diese Körner führen angeblich zum ewigen Leben. Diese Körner sollten sie unsterblich machen." Seine Tochter klebte sich die Körner auf den Körper, als ob ihr Leben davon abhing. Der Mann gab mir die Körner in die Hand. Kleine, weiße Kügelchen, die über meine Hände rollten.

Seine Tochter bekam Infektionen. Aber die Naturheilerin verbot ihr, den Hausarzt aufzusuchen. Diese Infektionen gehören zum Heilungsprozess - meinte sie. Und überhaupt: Willst du nicht das ewige Leben? Willst du nicht unsterblich werden? Dann musst du da durch, denn nach diesem Tal der Tränen erwartet dich etwas Großartiges.
Seine Tochter glaubte das. Sie bekam offene Wunden in ihrer Anusgegend, Beulen im Leistenbereich, ihre Zähne wurden locker… aber sie glaubte immer noch fest daran. Irgendwann würde der große Knall kommen und sie würde zu 120 Prozent unsterblich.
Die Naturheilerin war ihre Hoffnung - im Leben und im Tod. Als ob ein Besuch beim Hausarzt Götzendienst wäre und einen Keil zwischen sie und die Naturheilerin treiben könnte.

Irgendwann hatte seine Tochter so viele Schmerzen, dass sie nicht mehr laufen konnte. In einer E-Mail flehte sie die Naturheilerin an. Sie wolle aufhören, sie bräuchte Medizin und Schmerzmittel. Die Naturheilerin sagte ihr, sie müsse durchhalten. Dies gehöre alles dazu. Sie glaubt es und entschuldigt sich auch noch für ihren Kleinglauben. Drei Tage später schleppt sie sich auf die Toilette. Sie erbricht schwarzen und roten Schleim. Sie stirbt an verwahrlosten Infektionen. Ihre Organe versagen.

Ihr Vater sitzt auf seinem Bett. Er erzählt mir, wie er sie sogar mit Gewalt aus den Fängen dieses Monsters, dieser so genannten Naturheilerin, befreien wollte. Seine Schultern zucken. Ich höre zu, kann aber nichts für ihn tun.

Auf dem Rückweg im Auto denke ich an meinen eigenen Glauben. Ich frage mich selber, ob ich nicht auch einem Scharlatan folge und mich nicht selbst betrüge, weil ich meinen Halt in der versprochenen Unsterblichkeit suche.
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